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Gymnastik: Störche, Kelten und ein Dom

DISBU Gruppe radelt zum Glauberg

Ziel der jährlichen Radtour des SV Disbu war diesmal die Wetterau, um am Glauberg die archäologischen Spuren aus keltischer Zeit kennen zu lernen. Zehn Mitglieder der Gymnastikabteilung fuhren am Wochenbeginn von Rüsselsheim mit der S-Bahn nach Bad Vilbel und von dort trotz dunkler Wolkenberge ohne Schauer mit dem Fahrrad auf dem gut ausgebauten Nidda-Radweg weiter und kamen im Vogelschutzgebiet Storchen- und Gänsefamilien recht nahe.



In Stockheim, einer der Glauburggemeinden, war die Radlergruppe in einer kleinen Pension untergekommen, nur wenige Schritte von der im Art-deco-Stil geschmückten Pfarrkirche St. Judas Thaddäus. Gut vorbereitet war die Tour von Disbu-Übungsleiterin Brigitte Metscher, die einige Tage zuvor die gesamte Strecke radelnd abgefahren hatte.

Der zweite Tag war der Erkundung der Vergangenheit auf dem Glauberg gewidmet, einem ganz besonderen Ort. Bereits seit dem 5. Jahrtausend vor Christus ließen sich Bauern der Jungsteinzeit auf dem Plateau am Rande der Wetterau nieder. In keltischer Zeit, im 5. und 6. Jahrhundert vor Christus, befand sich hier eine Siedlung, die mit einer mehr als zwei Kilometer langen Mauer umgeben war und deren Wälle und Überreste noch erkennbar sind – vor allem, weil sie durch die kenntnisreiche fachliche Führung der freiberuflichen Museumspädagogin Alexandra Wolter bei einer ausgiebigen Wanderung auf der Hochebene erläutert wurden. Archäologischer und optischer Höhepunkt ist auch für Laien die lebensgroße Sandstein-Statue eines Kelten mit seinen Micky-Maus-Ohren, einer Kopfbedeckung, deren Sinn immer noch Gegenstand historischer Forschung ist. Dabei handelt es sich wohl um eine Art Kappe mit blattartigen Aufsätzen. Besonders spannend ist, dass sich eben diese „Blattkrone“ in Form von Eisendrahtfragmenten in Verbindung mit Leder-, Textil- sowie Holzresten als Beigabe in einem der Gräber befand. Mutmaßlich hatte man damals an dieser Vorrichtung Mistelblätter befestigt. Da die Mistel laut antiker Autoren bei den Kelten eine wichtige kultische Bedeutung besaß, mag dies auf die Rolle des Bestatteten als Priester hinweisen.

Im übrigen werden die Besucher nur noch bis Ende des Jahres die weltberühmte Statue ohne direkten Schutz bestaunen können. „Berühren verboten!“ Danach wird auch sie, wie die übrigen Ausstellungsstücke, hinter Glas gezeigt werden.



Begleitet wird die Statue durch die Funde aus mehreren Gräbern keltischer Persönlichkeiten. Das auch architektonisch sehenswerte, erst im vergangenen Jahr eröffnete Museum ist Forschungszentrum und bietet gleichzeitig mit seinen Exponaten, multimedialen Installationen und dem archäologischen Park für Besucher aller Altersgruppen eine ganz besondere Erlebniswelt, die versucht, die immer noch wenig bekannten Kelten für den Betrachter begreifbar zu machen.

Der dritte Tag der Radlertour war bis auf einen kurzen aber heftigen Anstieg genussvolles Bummeln Richtung Karben. Nach einem Zwischenstopp in Staden, dem „Klein-Venedig“ der Wetterau, mit dem als Restaurant und Hotel genutzten Ysenburger Schloss, wurde die im Volksmund „Wetterauer Dom“ genannte Klosterkirche von Ilbenstadt besucht, die die Gruppe schon am ersten Tag von der anderen Seite der Nidda bewundern konnte. 1929 hatte die Kirche von Papst Pius XI. den Ehrentitel „basilica minor“ erhalten, den weltweit nur rund 1500
Kirchen tragen dürfen.



Im Karbener Bahnhof wurden dann die Räder zur Heimfahrt nach Rüsselsheim wieder in der S-Bahn verstaut.


Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 24.07.2012.
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